Warum du nachts oft um die gleiche Zeit aufwachst – und das gar nicht schlimm ist

Warum du nachts oft um die gleiche Zeit aufwachst – und das gar nicht schlimm ist
Bits and Splits - fotolia

Es ist etwa drei Uhr nachts. Draußen ist der Himmel in schwarz getaucht, die Stadt atmet nur ganz leise. Du liegst in deinem Bett und solltest eigentlich schlafen. Stattdessen starrst du mit offenen Augen in die Dunkelheit.

Nachts aufzuwachen hat nicht zwangsläufig etwas mit einer Schlafstörung zu tun. Zwar können sich körperlicher oder geistiger Stress negativ auf unsere Erholung auswirken, tatsächlich wird der Schlaf eines Erwachsenen aber ganz natürlich etwa bis zu 30-mal in der Nacht unterbrochen. Oft dauert das kurze Erwachen nicht länger als drei Minuten, sodass wir uns hinterher nicht daran erinnern; ein Überbleibsel aus der frühen Evolution der Menschheit. Für die Jäger*innen und Sammler*innen war es wichtig, des Nachts immer mal wieder die Lage zu checken. Wer jedoch länger als drei Minuten wach bleibt, den quälen schnell Gedanken, wird unruhig und tut sich am Ende erst recht schwer damit wieder einzuschlafen.

Biologische Geisterstunde

Schuld ist unsere innere Uhr. Wenn wir schlafen, läuft unser Körper sozusagen auf Sparflamme, Temperatur und Blutdruck sinken, Puls und Atmung werden langsamer. Nach dem Einschlafen wechseln sich Tiefschlaf- und Traumphasen etwa im 90-Minuten-Rhythmus ab. Danach ist der Schlaf nur noch leicht, weshalb nach vier Stunden Schlaf die Tendenz besteht, das erste Mal richtig aufzuwachen. Geht man um 23 Uhr ins Bett, ist ein Aufwachen um drei Uhr wahrscheinlich, die biologische Mitternacht erreicht.

Der deutsche Schlafforscher Professor Jürgen Zulley hat die sogenannte biologische Geisterstunde wissenschaftlich untersucht: „Diese Uhrzeit ist speziell: Sie befinden sich in einem Tief, das Ihre Stimmung und Ihre Leistungsfähigkeit umfasst, es ist fast wie bei einer kleinen Depression.“ Bis drei Uhr senkt sich unsere Körpertemperatur und ist dann am kältesten. Gleichzeitig schüttet der Körper das Hormon Cortisol aus, das weiteren Tiefschlaf verhindert. Zudem erleben wir um diese Uhrzeit ein Stimmungs- und Leistungstief, für das das Hormon Melatonin, das den Körper auf Schlaf vorbereitet, verantwortlich ist. Es ist still, dunkel, man friert und fühlt sich allein. Wer nachts um diese Zeit aufwacht, ist es aber wahrscheinlich gar nicht – denn es liegen gleichzeitig höchstwahrscheinlich noch mehr Menschen aufgeweckt in ihren Betten.

Oft sind wir gar nicht so lange wach, wie es sich vielleicht anfühlt. Wenn man nachts im Dunkeln läge und sich nicht bewege, dann könne man kaum wissen, ob man zwei Stunden wach war oder dazwischen eine halbe Stunde geschlafen hat, erklärte Zulley in einem Interview mit dem Spiegel. Vor allem sollten wir uns nicht stressen, wenn wir ungeplant aufwachen. Dass die Menschen durchschlafen sollen, ist nämlich gar nicht so natürlich wie gesellschaftlich angenommen. Tatsächlich sind die gängigen acht Stunden Schlaf noch eine relativ neue Entwicklung in der westlichen Welt. Bevor das elektrische Licht die Welt eroberte, war es üblich, die Nacht in zwei Phasen zu teilen, wie der Historiker Roger Ekirch 2001 anhand der Analyse von Tagebüchern, Medizinbüchern, Literatur und Gerichtsakten herausfand.

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Über die Autorin

Milena Zwerenz arbeitet als Journalistin, Texterin und Food-Liebhaberin in Berlin.

milenazwerenz.com

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