Seitensprung als Chance

Vorlage Bildunterschrift
© Friedhelm Schwiderski - Psychoscout

Die Chancen, eine Beziehung nach einem Seitensprung zu retten, stehen sehr gut. Wenn die Partner Ursachenforschung betreiben, Bilanz ziehen und die Krise wirklich gemeinsam meistern, ist das eine ganz wichtige Vertrauensmaßnahme, die beide füreinander bewirkt haben.

Viele Paare lernen erst durch eine solche Krise, miteinander zu kommunizieren. Sie reden in dieser Zeit mehr miteinander, als je zuvor, und die Partnerschaft kann dadurch eine echte Stärkung erfahren: „Wir haben noch nie so viel miteinander geredet“, berichtete beispielsweise eine Betroffene. Und „so viel“ bedeutet meist auch „so offen und intensiv“. Viele Paare würden ihr Zusammenleben nach der Verarbeitung des Seitensprunges als besser im Vergleich zu der Zeit davor bezeichnen. Im Endeffekt geht es um eine neue Gestaltung der Beziehung.

Kommt das Paar alleine nicht weiter, empfiehlt es sich, einen Paartherapeuten bzw. Paarberater in Anspruch zu nehmen, denn oftmals spielen heftige Gefühle auf beiden Seiten verbunden mit unbewussten Themen eine Rolle, die für die Partner allein zunächst nicht handhabbar und steuerbar erscheinen – jeder Partner bringt unterschiedliche Erfahrungen und Persönlichkeitsmerkmale mit. Insofern unterscheidet sich Paartherapie auch von Selbsthilfe und Gesprächen mit Freunden: Der Berater tritt als unabhängige, in Beziehungsfragen kompetente Person auf, deren Inanspruchnahme eine große Hilfe zur wechselseitigen Verständigung und Konfliktmoderation bedeuten kann und die in diesem Sinne auch als ein „Paarcoach“ zu verstehen ist.


Wenn ein Paar nach einem Seitensprung in eine Paartherapie kommt, haben die beiden Partner bereits einen wesentlichen Schritt zur Klärung getan, indem sie sich überhaupt gemeinsam darauf verständigt haben, in eine Paartherapie zu gehen.
In der Therapie geht es dann darum, sich miteinander anzusehen, was in der gemeinsamen Vergangenheit diesen Seitensprung begünstigt hat und wie beide Partner gemeinsam daran gearbeitet haben, dass es überhaupt zu so einer kritischen Situation gekommen ist.


Hier kann bereits deutlich werden, welche Defizitthemen es in der Vergangenheit gegeben hat. Meistens zeigt sich, dass beide in den vergangenen Jahren immer weniger Zeit und Energie für Gespräche und Freizeitgestaltung miteinander eingesetzt haben, sich vielleicht auch im Erotischen, im Sexuellen weiter voneinander zurückgezogen haben. Oder es liegen Missverständnisse in der Vergangenheit vor, die nicht aufgeklärt werden konnten und sich immer mehr gebündelt haben. Wenn Konflikte nicht ausgetragen werden, summiert sich mit der Zeit ein Potenzial an ungelösten Themen, was zu immer weniger Lebendigkeit und Spaß miteinander führt.

Dieser Beitrag wurde Erstveröffentlicht auf der Website des Apotheken Anzeiger.

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Über den Autor

Friedhelm Schwiderski ist Heilpraktiker im Bereich Psychotherapie und berät unter anderem in den Bereichen Paartherapie, Sexualtherapie und systemische Familientherapie.

www.paar-psychotherapie.de

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