Langeweile im Ehebett

Warum Männer – und auch Frauen – überhaupt die Flucht in die Arme einer anderen Person wagen, hat Ragnar Beers Studie über Seitensprünge erklärt. Demnach ist es in erster Linie sexuelle Unzufriedenheit im Ehebett, die fremde Lager so anziehend machen. „Der Seitensprung passiert meistens, wenn jemand durch die Lebensumstände mürbe geworden ist. Dann muss sich nur die Gelegenheit ergeben.“

Ausgedehnte berufliche Reisen sind dafür prädestiniert. Die Ehefrau ist weit weg und muss ja nichts von der „Zweitfrau“ mitbekommen.

Schmerzhafte Aufräumarbeit

Passiert dies dann doch, muss der Mann eine Entscheidung treffen. „Am liebsten würde er natürlich beide Frauen behalten“, sagt Friedhelm Schwiderski. „Deshalb dauert es oft auch sehr lang, bis er sich aus diesem Spannungsfeld lösen und eine Entscheidung treffen kann.“ Wenn eine Ehefrau es dann schafft, ihren Mann nicht vorwurfsvoll zu drängen und Ultimaten zu stellen, vielleicht sogar gewisses Verständnis für seine Situation hat, stehen ihre Chancen gut, dass er sich für sie entscheidet. „Nur wenn ein Mann das Gefühl hat, er verlässt die Geliebte aus freien Stücken, existiert eine Basis für das weitere Zusammenleben mit seiner Ehefrau“, sagt der Paartherapeut.

In jedem Fall beginnt aber die Aufräumarbeit am emotionalen Scherbenhaufen. „Dann muss ein Paar genau die Gründe erforschen, die die Partnerschaft in Gefahr gebracht haben und versuchen, diese Punkte zu verändern“, sagt der Paartherapeut aus Göttingen. Als einen Neuanfang will er diesen Moment aber nicht bezeichnen. „Den Untreuen wäre natürlich am liebsten: Schwamm drüber. Man kann die schmerzhaften Erfahrungen aber nicht einfach löschen wie eine Festplatte. Deshalb ist eine aktive Bewältigung nötig.“

Wenn es jetzt in der Affäre Wepper heißt, „Die Ehefrau hat gewonnen“, ist das eine dumme Aussage. Es gibt nämlich ausschließlich Verlierer. Und das ist immer so, wenn ein Mann glaubt, er könne beides haben: die Ehefrau und die Geliebte.

Dieser Beitrag wurde auf www.focus.de Erstveröffentlicht.

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