Gemeinsam zum Sport

FIT UND NICHT SO FIT Ob Mutter und Tochter oder Frau und Mann – die besten Tipps für ungleiche Paare für mehr Spaß an der Bewegung.
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FIT UND NICHT SO FIT Ob Mutter und Tochter oder Frau und Mann – die besten Tipps für ungleiche Paare für mehr Spaß an der Bewegung.

1 Geselligkeit schätzen

Gleiches Tempo, identische Interessen? Von wegen! Treiben Paare gemeinsam Sport, birgt das oft Zündstoff. Weil der Fittere mit dem Rad davon fährt oder genervt die Augen verdreht, wenn der Schwächere beim Runtergehen Knieschmerzen hat. „Toll, wenn Fittere eigene Ansprüche zurückschrauben und die gemeinsame Zeit zu schätzen wissen“, sagt Prof. Nadja Schott, Sportpsychologin an der Uni Stuttgart. Wer es schaffe, auf den anderen einzugehen, ihm das Gefühl gebe, in schweren Zeiten da zu sein, „rückt auch emotional eng zusammen“, weiß Paartherapeut
Friedhelm Schwiderski vom Arbeitskreis Psychoscout.de. Gut für die Beziehung: zwei feste Termine pro Woche für gemeinsame Aktivität.

2 Vielfalt nutzen

Zu Fuß vom Tal hinauf bis zum Gipfel? Wenn einer nicht mehr fit ist, kann es schwierig werden, an gewohnten Aktivitäten festzuhalten. „Dann sollten beide in Ruhe überlegen, welche Bewegungsform trotz Einschränkung gut klappen könnte“, rät Julia Scharnhorst, Gesundheitspsychologin vom Berufsverband der Deutschen Psychologinnen und Psychologen. „Toll sind Dinge, die beide völlig neu für sich entdecken können“, ermuntert sie. Etwa einen Tangokurs besuchen, die Flusswildnis mit dem Kanu erkunden. Oder auf gut ausgebauten Radwegen ein Dreiradtandem nutzen, auf dem man sich prima austauschen kann.

3 Kreativ planen

Dem schwächeren Partner zuliebe die kurze Route laufen? „Immerzu Kompromisse schließen, bei manch Fittem kann das auf Dauer Unzufriedenheit uslösen“, weiß Scharnhorst, und rät, kreativ zu sein. „Eine Runde im Park wählen, auf der sich der Schwächere auf einer Bank ausruhen kann, wenn er keine Lust mehr hat“, schlägt die Psychologin vor. „So verliert man sich nicht aus den Augen – und dennoch ist man beisammen.“ Oder: derjenige mit den Knieproblemen fährt mit dem Rad nebenher. Beim Wandern nimmt der Schwächere die Seilbahn oder verkürzt die Strecke, indem er zum höher gelegenen Wanderparkplatz vorfährt. Fahren beide gerne Fahrrad, kann der Konditionsschwache auf ein Pedelec umsteigen, das Steigungen den Schrecken nimmt.

4 Mit Kräften haushalten

Tagesschwankungen sind bei chronisch Kranken normal. Den Trainingsplan sollten deshalb beide Sportpartner darauf abstimmen. „Mit arthrotischen Knien tut man sich leichter, wenn man erst am späten Vormittag losgeht“, sagt Dr. Margit Kollmer, Fachärztin für Allgemeinmedizin in Velden. Asthmapatienten nutzen bei schwülem Wetter besser die kühlen Morgenstunden. Menschen mit depressiven Verstimmungen helfe ein Wochenplan für Aktivitäten. Kollmer: „Fragen Sie Ihren Arzt, wie Sie Ihre Kräfte optimal nutzen können.“

5 Gedanken teilen 

Der grimmige Vermieter, die Scheidung des Sohnes. Sorgen können extrem belasten. Und gerade beim Sport kommt Schwung ins Gedankenkarussell. „Die äußere Beweglichkeit bringt oft eine innere mit sich“, sagt Schwiderski. Beim Walken fällt es oft leichter, Kummer zu entlarven, ihn in Worte zu fassen. „Teilen Sie Gedanken mit ihrem Sportpartner“, ermuntert der Paartherapeut. „Oft gelingt es beim Walken besser als am Essenstisch oder auf der Couch, neue Lösungsansätze zu finden.“

6 Sich zusammentun

In einer Gruppe gibt stets Fittere und Schwächere – „und ein jeder akzeptiert, wenn letztere etwa beschließen, mal den Wellness-Bereich zu erkunden statt wandern zu gehen“, weiß Schott. Das nehme Leistungsdruck, weshalb in Gruppen oft eine schöne Grundstimmung herrsche. Ungleich fitte Paare, „die sich einer geführten Seniorengruppe anschließen, profitieren vielfach“, wirbt Hartmut Schneider vom DAV. Ein guter Guide achte auf passende Routen und kümmere sich um alles Organisatorische.

7 Rat einholen 

Was tun, wenn Schwindel auftritt, der Kreislauf absackt? Konkrete Verhaltenstipps gibt der Arzt. Perfekt, wenn der Partner mit zum Doktor geht. „Oft fehlt dem Fitteren das Wissen über eine Erkrankung, er fühlt sich hilfslos, handelt vielleicht falsch“, so Kollmer. Gut angeleitet als Team zögen beide an einem Strang, was dem Schwächeren ein besseres Sicherheitsgefühl verschaffe und helfe, Notfällen vorzubeugen.

Dieser Beitrag wurde Erstveröffentlicht im Senioren Ratgeber von Petra Haas.

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