Die Ehefrau hat oft bessere Karten

Über das in aller Öffentlichkeit breitgetretene Privatleben von Schauspieler Fritz Wepper staunte die Nation monatelang. Jetzt scheint der Liebesreigen zum Stillstand zu kommen. Der abtrünnige 70-Jährige hat die halb so alte Geliebte samt gemeinsamem Töchterchen verlassen und ist wieder zu Ehefrau Angela zurückgekehrt. Die Geliebte hat noch einmal mit einem bissigen Interview nachgetreten.

Was sich wie ein Stück aus dem Sommertheater liest, hat nur für das staunende Publikum Unterhaltungswert. Alle direkt Beteiligten befinden sich auf einer emotionalen Achterbahnfahrt aus Verletzungen und Enttäuschungen. Und Fritz Wepper ist vielleicht nicht ausschließlich der böse Bube, der Ehefrau und Geliebte zappeln ließ. Diplompsychologe und Paartherapeut Ragnar Beer von der Universität Göttingen hat in einer Studie über Seitenspringer festgestellt, dass die Untreuen eigentlich niemandem wehtun wollen. „Die meisten, die ihren Partner betrügen, lieben ihn und wollen eigentlich gar nicht fremdgehen“, sagt er. Dennoch haben solche Affären durchaus Bestand. Nur ein Bruchteil beschränkt sich auf „One-Night-Stands“, über 60 Prozent dauern Wochen, Monate, Jahre.

Arrangement statt wahre Liebe

Kehren Männer wie Fritz Wepper danach ganz zwangsläufig in die Arme der Gattin zurück, weil’s zu Hause eben doch am schönsten ist? Nicht unbedingt, wie eine ganze Reihe prominenter Fälle der letzten Jahre zeigen. Da gibt es die Treulosen, für die das Alte, Gediegene und Vertraute letztlich doch anziehender ist als das Neue, Abenteuerliche und Aufregende mit der Geliebten. Von Ottmar Hitzfeld über Ottfried Fischer bis Helmut Thoma reichen die Beispiele der reumütig Zurückgekehrten. „Je länger die bisherige Beziehung bereits dauert, desto größer ist die Tendenz, zur Ehefrau zurückzugehen“, sagt der Hamburger Paartherapeut Friedhelm Schwiderski, Vorsitzender des „Arbeitskreises Paar- und Psychotherapie“. Eine Entscheidung für die Geliebte würde ja auch bedeuten, das man sein ganzes Leben umkrempeln müsste – das wollen dann doch die wenigsten Treulosen. Es muss aber auch noch große Zuneigung zwischen dem Ehepaar herrschen, damit eine Entscheidung für die Gattin fällt, meint der Psychologe.

Auf der anderen Seite stehen Veränderungswillige wie Gerhard Schröder oder Brad Pitt, die sich ohne Wenn und Aber der Geliebten zuwenden und sich nicht lang mit Blicken zurück aufhalten. „Es ist individuell völlig verschieden, wie jemand sich in so einer Situation verhält“, sagt Ragnar Beer. „Viele Argumente sprechen für die bewährte Partnerschaft, aber es spielen sehr viele Faktoren mit, ob sie stärker ist als der Reiz des Neuen.“

Dieser Beitrag wurde Erstveröffentlicht auf www.focus.de.

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