Angst ist belebend

Dreiecksbeziehungen. Geht es oder geht es nicht? Es gibt durchaus Menschen, die es schaffen, zu mehr als nur zu zweit zu liebe.

rei. Drei sind die Blutstropfen von Schneewittchens Mutter im Schnee. Drei Mal fiel Jesus unterm Kreuz. Drei sind die Schritte der Dialektik. Dreieinig ist Gottvater, Sohn und Heiliger Geist. Drei Füße bringen einen Tisch zum Stehen, drei Ecken machen einen Hut, aus drei Größen lässt sich eine vierte gut bestimmen, drei sind aller guten Dinge. Warum, so wollen wir hier fragen, soll sich ein Paar zu dritt nicht denken lassen?

Eins. Ein Bett haben Andreas, André und Günter. "Das sind für jeden 70 Zentimeter", sagt Andreas und 70 Zentimeter reichen ihm für seinen ruhigen Schlaf. Bloß ein Zufall, dass die drei Nachnamen auf dem goldenen Klingelschild mit dem gleichen Buchstaben beginnen. In der riesigen Altbauwohnung, Berlin, zentrale Lage, sieht es nicht aus, als wohnten hier drei Menschen. Aufgeräumt ist es, nichts liegt herum, ein Raum mit alten Reiseführern und antiken Möbeln - Andrés Arbeitszimmer - ein enormes Wohn- und Esszimmer, eine kleine Küche. Das Schlafzimmer sehe ich nicht. Dort liegt Günter, schon zu Bett gegangen.

Andreas, André und Günter sind 40, 43 und 42 Jahre alt, seit 20 Jahren währt die Beziehung zwischen André und Günter, seit zehn die Beziehung zwischen Günter, André und Andreas. "Ich bin schleichend hier eingezogen", sagt Andreas, "ich kann mir nicht mehr vorstellen anders zu wohnen." Damals, vor zehn Jahren, hatte er - über eine Anzeige - André kennen gelernt, seine erste schwule Beziehung. "Der wollte einen Freund nebenher. Ich war der Freund nebenher von André. Ich war fasziniert von dem Menschen, ich war total verzaubert." Das war im November. Zu Weihnachten lud André seinen Freund nebenher zu sich nach Hause ein. "Und dann", sagt Andreas, "passierte etwas komisches, dann haben Günter und ich uns ineinander verliebt." Nicht dass das einfach gewesen wäre, nicht dass das nur schön gewesen wäre. Jede offene Beziehung hat ihre Grenzen. "Ich war im Mittelpunkt, von beiden begehrt, aber die beiden kamen sich ins Gehege."

Nichts aber würde André und Günter trennen. "Zu dem Zeitpunkt war es schon so, dass ich unheimlich traurig wurde, wenn die beiden alleine in Urlaub fuhren", erinnert Andreas. Er fuhr hinterher. Die drei experimentierten, wackelig, hatten die Idee, eine Dreierbeziehung zu bilden und verwarfen sie wieder. Sex zu dritt war schwierig, "einer lag immer daneben und hat sich vergessen gefühlt." Also haben sie das aufgehört, fanden den Weg, dass Andreas entweder mit dem einen oder mit dem anderen schlief, in dem gemeinsamen Bett. "Es ging schon sehr ins Heimliche hinein, wenn der Dritte daneben lag und schlief." Für Günter und André hatte Sex - auch vor Andreas - schon lange aufgehört.

Dieser Beitrag wurde von Andrea Roedig auf www.freitag.de Erstveröffentlicht.

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